Natalie Bury

Dancer Choreographer Singer


Frau Müller und die Suche nach der Wirklichkeit

Solo mit Seele

Natalie Bury bewegt mit „Frau Müller und die Suche nach der Wirklichkeit“

Dieses starke Stück Tanztheater schenkt dem Begriff Solo-Performance eine neue Dimension. Tänzerin Natalie Bury verkörpert ein zutiefst vereinsamtes Wesen: Frau Müller ist nervlich labil, scheu, frei von jeder (Er-)Lebensidee. Ein kleiner Mensch mit einer inneren Leere, die mindestens so gewaltig ist wie der große leere Raum, der sie umgibt. Einzige Requisite für dieses stille Drama aus Verzagtheit und wilder Hoffnung auf Liebe und Geborgenheit: ein schlichter Tisch, der seinen übergroßen Schatten an die hohe Wand aus Beton wirft – und an dem sie sich jetzt stuhllos niederlässt, auch hier ohne Halt! Mitten in ihrer Gefängniszelle.

Frau Müller ist zu Isolationshaft verurteilt – in sich selbst. Doch sie will ausbrechen. Endlich frei sein! Ihr Weg nach draußen: virtual reality. Mit aufgerissenen Augen und extremer Körperspannung robbt sie auf eine VR-Brille zu, die da plötzlich vor ihr auf dem Boden aufscheint, nimmt all ihren Mini-Mut zusammen – und setzt den medialen Fluchthelfer auf! Was sie da sieht, öffnet ihr die Augen! Eine Eruption von Gefühl und Bewegung! Euphorie, Ekstase, Hass! Der sinnliche Tanz mit unsichtbarem Partner mündet im Nahkampf, dann wird geschossen.

Je höher der Level des 3D-Zauberspiels, desto wütender und brutaler wird Frau Müllers Kriegstanz um das, was sie da wahrnimmt. Dann dämmert es ihr: Diese Wirklichkeit ist eben doch bloß Bild. Angewidert reißt sie die Teufelsmaske vom Gesicht, schlägt sich diesen Fluchtweg aus dem Kopf. Erschöpft und all seiner restlichen Statik beraubt, ergießt sich ihr Körper über die Tischplatte, bleibt regungslos liegen.

Umso mehr Bewegung bei den Augenzeugen: euphorischer Applaus für ein intensives Kammerspiel. Natalie Bury hat dieses Stück nicht bloß choreografiert und getanzt. Sie hat es erzählt – mit eigener Körpersprache und pantomimischen Vokabeln, die wir hier zum ersten Mal entschlüsseln. Niemals geht es um Schönheit oder Anmut gelernter, fließender Bewegungen. Haltung, Drehung, Sprung, Gestik, Mimik – alles folgt nur dem narrativen Impuls. Wie auch die Musik von Hannes Wollmann: spärliche Klangpassagen, punktuelle Grooves und Geräusche, dazu ein nostalgisches Intro wie für einen Werbefilm aus den stickigen Sechzigern – ein maßgeschneiderter Klangteppich, der Atmosphäre und Bewegungen diskret umkleidet.

Das Leben ist eine Bühne. Vor 11 Minuten kannte niemand im Saal diese Frau Müller – in ihrem senfgelben Pullover über kurzkragigem Hemd. Jetzt wissen wir sehr viel über sie – und über uns selbst auch ein bisschen mehr …

Andreas Florek, Journalist

 

 

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fotos by Mehmet Vanli

 

Is seeing believing?

Is it real what i see?

Is it real what i feel?

Is it real what my mind makes up?

What kind of reality gives satisfaction?

In our times, where life is a lot influenced by virtual media, the question what is my own reality/personality is the question to be asked for.


choreography and performance: Natalie Bury
music: Hannes Wollmann

ICPA310058 

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